Rennbericht 24h-Rennen 2006

 

1. Zeittraining:

Die Marschroute war vorgegeben. Frühzeitig am Boxenausgang stehen,
um dann als einer der ersten Fahrzeuge in der ersten gezeiteten Runde freie Bahn zu haben. Christian Menzel ist dies gut gelungen und die erste Zeit von 9:06,052 bedeutet einen stabilen Platz 7, denn hinter uns war gehöriger
Abstand auf Platz 8.

Christian klagte über Untersteuern und geschwindigkeitsabhängige Vibrationen. Der gesamte Unterwagen wurde kontrolliert. Da aber kein offensichtlicher Fehler zu erkennen war, wurde voll getankt und Oliver, Dennis und Johannes fuhren ihre zwei Pflichtrunden.

Die Devise danach war „Abwarten“, ob unsere Platzierung nochmals in Gefahr geraten könnte. Unsere Zeit war aber von hinten nicht gefährdet, allerdings waren vor uns die Zeitabstände so gering, dass wir diskutierten, nochmals auf Zeitenjagd zu gehen. Wir taten es nicht, da unsere erste Devise war, materialschonend zu fahren. Christian sollte zu Trainingsende nur noch eine Runde mit der härteren Reifenmischung ausprobieren.

Wir nutzten die Pause bis zum Abendtraining um das Fahrwerk zu vermessen und erhöhten den Sturz an der Vorderachse. Außerdem wurde der komplette Antriebsstrang demontiert, damit die Ursache der Vibrationen gefunden wird. Wir bauten einen neuen Spacer zwischen Kupplungsglocke und Getriebe ein und fanden einige Kontaktstellen des Antriebsstrangs, an denen er an der Karosse angeschlagen hat. Hier haben wir für mehr Freiraum gesorgt. Mit Erfolg, wie sich im zweiten Training herausstellen sollte.

2. Zeittraining:

Es ist logisch, am Abend wird es kühler, die Strecke hat mit den Rahmenrennen mehr „Gummi“ erhalten und jeder wollte zu Beginn eine freie Runde erwischen, bevor die Strecke durch Verkehr nahezu blockiert wird.

Alle Top Teams standen sehr früh am Ende der Boxengasse. Wegen der langen Standzeit mußten auch die Reifen noch am Ende der Boxengasse gewechselt werden, denn sonst wäre der Reifensatz zu stark abgekühlt. Was sich dort abspielte war schwer verständlich, teilweise konnte man nur noch den Kopf schütteln.

Es waren noch 20 Minuten bis zum Trainingsbeginn, da ließen einige schon die Motoren warmlaufen. Wenn irgendein Fahrzeug oder die Mechanikercrew nur ein bißchen Platz ließen, dann fuhr man sofort in die Lücke. Chaotisch, die Mechaniker hatten Mühe, überhaupt wieder den Startplatz zu verlassen. So beeindruckend es war, hier muss der Veranstalter reagieren.

Mit dem neuen Setup fühlte sich Christian direkt wohl. Er konnte die Rundenzeit um sechs Sekunden verbessern, aber alle Teams wurden schneller. Mit der Zeit von 9:00 min standen wir trotz Verbesserung weiterhin auf Platz 7 und hatten zunächst weiterhin großen Abstand nach hinten.

Plötzlich tauchte jedoch der Lambo vom Raeder Team nur 0,2 Sekunden hinter uns auf. Vor uns waren die Abstände immer noch sehr eng und uns fehlten z.B. nur 1,7 Sek. auf Platz 5. Erneut die Diskussion: „Fahren wir nochmals auf Zeit, oder schonen wir den Wagen?“ Dann fuhr der Manthey Porsche seine deutlich schnellere Pole-Zeit. Die Strecke wurde also schneller, aber wir einigten uns zu Recht darauf, bis zur Dunkelheit abzuwarten, um dann nur noch eine Kontrolle der Scheinwerfer durchzuführen. Ob man am Start auf Platz 5 oder 7 steht, ist bei einem 24-Stunden-Rennen egal.

Das Rennen:

Endlich nach zwei Jahren mal wieder Sonne, Wärme und richtig Spaß in der Startaufstellung. Die Fahrer präsentierten sich an den Autos zu Photos, Fans holten sich Autogramme, man wünschte sich viel Glück, Interviews wurden geführt und wir waren wie immer angespannt, ob auch wirklich alles funktioniert. Schließlich wünscht man dem Fahrer viel Glück und geht in die Box an den Bildschirm.

Die Einführungsrunde ist eigentlich viel bedeutender, als der Fernsehzuschauer es vermutet. Seit dem letzten Training ist bei fast jedem Team einiges demontiert gewesen und erst jetzt stellt sich heraus, ob alles funktioniert.

Christian Menzel fuhr die Einführungsrunde absolut professionell, so dass die Motortemperaturen sehr niedrig blieben. Wenn sich dann das Feld auf die Start/Ziellinie zu bewegt, ist dies für alle der spannendste Augenblick.

Christian wollte sich auch auf kein Gerangel in den ersten Kurven einlassen. Er fuhr solide und schnell, aber nicht auf Angriff. Wir wollten uns absichtlich aus allen Kämpfen heraushalten, die frühe Überholung des Raeder Lamborghini war somit kein Problem.

Wenn wir bei unserem kurzen Auftritt ein High-Light hatten, dann war es der erste Boxenstopp. Durch schnelle Arbeit konnten wir das Getrag-Team in der Box überholen. Auch Oliver war im Anschluss gut unterwegs und konnte sogar die am Sonntag drittplazierte Zakspeed Viper überholen.

Platz 6 nach gut zwei Stunden, es hätte kaum besser laufen können. Doch plötzlich hatte Oliver auf dem GP-Kurs Aussetzer und kommt über die Kurzanbindung wieder an die Box. Daten wurden ausgelesen, aber schnell war klar, es ist der Kurbelwellensensor. Das Wechseln hat uns jedoch aufgrund der schwierigen Zugänglichkeit viel Zeit gekostet. Das Auto wurde voll getankt und sollte jetzt nochmals einen vollen Turn fahren.

Ein Unglück kommt selten allein. Ganz plötzlich kam über Funk die Meldung: „Bin abgeflogen. Ich bin o.k.“ Mehr wussten wir nicht. Die Telemetrie zeigte den Standort „Flugplatz“. Wie geht es Oliver, wie sieht der Wagen aus?

Oliver Kainz konnte zum Glück nur benommen und leicht verletzt aus einem beinahe völlig zerstörten Eifelblitz klettern. Er musste im Medical Center behandelt werden. Seine Verletzungen sind den Umständen entsprechend gering: Kreuzband- und Innenbandabriss im linken Knie und Prellungen am ganzen Körper. Er wird einige Wochen brauchen, um wieder vollständig fit zu werden. Oliver hat Glück im Unglück gehabt. Wir wünschen ihm gute Genesung.

Natürlich sind, wie immer bei Problemen, die entsprechenden Leute zur Unfallstelle aufgebrochen. Eigentlich war direkt klar, der Eifelblitz ist stärker beschädigt. Aber als wir dann nach Eintreffen des Teams an der Unfallstelle erfuhren, dass der Eifelblitz ein Totalschaden ist, wurde jedem die Tragweite bewusst.

Unser Motor ist äußerlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir hoffen aber, dass viele der wertvollen „Innereien“ weiter verwendbar sein werden.

Leider wird dieses gesamte Wochenende durch diesen unnötigen Unfall in ein völlig „falsches Licht“ gerückt, aber wir waren bis dahin genau im Plan unterwegs. Besser waren wir noch nie für ein 24h-Rennen vorbereitet, abgestimmt und als Team im Einsatz. Der unplanmäßige Boxenstopp kurz vor dem Unfall war „nur“ ein defekter Sensor. Den Zeitverlust hätten wir in wenigen Stunden aufgeholt. Erneut ist uns eine Überrundung zum Verhängnis geworden, wie im Jahr 2004.

Jetzt gilt es leider die Saison unter ganz anderen Bedingungen fortzusetzen. Ein Fahrzeugaufbau braucht Zeit, so dass wir mindestens beim nächsten Rennen in drei Wochen nicht teilnehmen werden. Wie es strategisch weiter geht, werden die Gespräche in den nächsten Tagen zeigen. Einen genauen Plan gibt es noch nicht, aber wir kennen Johannes Scheid, der alles versuchen wird, so schnell wie möglich einen neuen „Eifelblitz“ aufzubauen.
 

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