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1. Zeittraining:
Die
Marschroute war vorgegeben. Frühzeitig am Boxenausgang stehen,
um dann als einer der ersten Fahrzeuge in der ersten gezeiteten Runde
freie Bahn zu haben. Christian Menzel ist dies gut gelungen und die
erste Zeit von 9:06,052 bedeutet einen stabilen Platz 7, denn hinter uns
war gehöriger
Abstand auf Platz 8.
Christian klagte über Untersteuern und geschwindigkeitsabhängige
Vibrationen. Der gesamte Unterwagen wurde kontrolliert. Da aber kein
offensichtlicher Fehler zu erkennen war, wurde voll getankt und Oliver,
Dennis und Johannes fuhren ihre zwei Pflichtrunden.
Die Devise danach war „Abwarten“, ob unsere Platzierung nochmals in
Gefahr geraten könnte. Unsere Zeit war aber von hinten nicht gefährdet,
allerdings waren vor uns die Zeitabstände so gering, dass wir
diskutierten, nochmals auf Zeitenjagd zu gehen. Wir taten es nicht, da
unsere erste Devise war, materialschonend zu fahren. Christian sollte zu
Trainingsende nur noch eine Runde mit der härteren Reifenmischung
ausprobieren.
Wir nutzten die Pause bis zum Abendtraining um das Fahrwerk zu vermessen
und erhöhten den Sturz an der Vorderachse. Außerdem wurde der komplette
Antriebsstrang demontiert, damit die Ursache der Vibrationen gefunden
wird. Wir bauten einen neuen Spacer zwischen Kupplungsglocke und
Getriebe ein und fanden einige Kontaktstellen des Antriebsstrangs, an
denen er an der Karosse angeschlagen hat. Hier haben wir für mehr
Freiraum gesorgt. Mit Erfolg, wie sich im zweiten Training herausstellen
sollte.
2. Zeittraining:
Es ist logisch, am Abend wird es kühler, die Strecke hat mit den
Rahmenrennen mehr „Gummi“ erhalten und jeder wollte zu Beginn eine freie
Runde erwischen, bevor die Strecke durch Verkehr nahezu blockiert wird.
Alle Top Teams standen sehr früh am Ende der Boxengasse. Wegen der
langen Standzeit mußten auch die Reifen noch am Ende der Boxengasse
gewechselt werden, denn sonst wäre der Reifensatz zu stark abgekühlt.
Was sich dort abspielte war schwer verständlich, teilweise konnte man
nur noch den Kopf schütteln.
Es waren noch 20 Minuten bis zum Trainingsbeginn, da ließen einige schon
die Motoren warmlaufen. Wenn irgendein Fahrzeug oder die Mechanikercrew
nur ein bißchen Platz ließen, dann fuhr man sofort in die Lücke.
Chaotisch, die Mechaniker hatten Mühe, überhaupt wieder den Startplatz
zu verlassen. So beeindruckend es war, hier muss der Veranstalter
reagieren.
Mit dem neuen Setup fühlte sich Christian direkt wohl. Er konnte die
Rundenzeit um sechs Sekunden verbessern, aber alle Teams wurden
schneller. Mit der Zeit von 9:00 min standen wir trotz Verbesserung
weiterhin auf Platz 7 und hatten zunächst weiterhin großen Abstand nach
hinten.
Plötzlich tauchte jedoch der Lambo vom Raeder Team nur 0,2 Sekunden
hinter uns auf. Vor uns waren die Abstände immer noch sehr eng und uns
fehlten z.B. nur 1,7 Sek. auf Platz 5. Erneut die Diskussion: „Fahren
wir nochmals auf Zeit, oder schonen wir den Wagen?“ Dann fuhr der
Manthey Porsche seine deutlich schnellere Pole-Zeit. Die Strecke wurde
also schneller, aber wir einigten uns zu Recht darauf, bis zur
Dunkelheit abzuwarten, um dann nur noch eine Kontrolle der Scheinwerfer
durchzuführen. Ob man am Start auf Platz 5 oder 7 steht, ist bei einem
24-Stunden-Rennen egal.
Das Rennen:
Endlich nach zwei Jahren mal wieder Sonne, Wärme und richtig Spaß in der
Startaufstellung. Die Fahrer präsentierten sich an den Autos zu Photos,
Fans holten sich Autogramme, man wünschte sich viel Glück, Interviews
wurden geführt und wir waren wie immer angespannt, ob auch wirklich
alles funktioniert. Schließlich wünscht man dem Fahrer viel Glück und
geht in die Box an den Bildschirm.
Die Einführungsrunde ist eigentlich viel bedeutender, als der
Fernsehzuschauer es vermutet. Seit dem letzten Training ist bei fast
jedem Team einiges demontiert gewesen und erst jetzt stellt sich heraus,
ob alles funktioniert.
Christian Menzel fuhr die Einführungsrunde absolut professionell, so
dass die Motortemperaturen sehr niedrig blieben. Wenn sich dann das Feld
auf die Start/Ziellinie zu bewegt, ist dies für alle der spannendste
Augenblick.
Christian wollte sich auch auf kein Gerangel in den ersten Kurven
einlassen. Er fuhr solide und schnell, aber nicht auf Angriff. Wir
wollten uns absichtlich aus allen Kämpfen heraushalten, die frühe
Überholung des Raeder Lamborghini war somit kein Problem.
Wenn wir bei unserem kurzen Auftritt ein High-Light hatten, dann war es
der erste Boxenstopp. Durch schnelle Arbeit konnten wir das Getrag-Team
in der Box überholen. Auch Oliver war im Anschluss gut unterwegs und
konnte sogar die am Sonntag drittplazierte Zakspeed Viper überholen.
Platz 6 nach gut zwei Stunden, es hätte kaum besser laufen können. Doch
plötzlich hatte Oliver auf dem GP-Kurs Aussetzer und kommt über die
Kurzanbindung wieder an die Box. Daten wurden ausgelesen, aber schnell
war klar, es ist der Kurbelwellensensor. Das Wechseln hat uns jedoch
aufgrund der schwierigen Zugänglichkeit viel Zeit gekostet. Das Auto
wurde voll getankt und sollte jetzt nochmals einen vollen Turn fahren.
Ein Unglück kommt selten allein. Ganz plötzlich kam über Funk die
Meldung: „Bin abgeflogen. Ich bin o.k.“ Mehr wussten wir nicht. Die
Telemetrie zeigte den Standort „Flugplatz“. Wie geht es Oliver, wie
sieht der Wagen aus?
Oliver Kainz konnte zum Glück nur benommen und leicht verletzt aus einem
beinahe völlig zerstörten Eifelblitz klettern. Er musste im Medical
Center behandelt werden. Seine Verletzungen sind den Umständen
entsprechend gering: Kreuzband- und Innenbandabriss im linken Knie und
Prellungen am ganzen Körper. Er wird einige Wochen brauchen, um wieder
vollständig fit zu werden. Oliver hat Glück im Unglück gehabt. Wir
wünschen ihm gute Genesung.
Natürlich sind, wie immer bei Problemen, die entsprechenden Leute zur
Unfallstelle aufgebrochen. Eigentlich war direkt klar, der Eifelblitz
ist stärker beschädigt. Aber als wir dann nach Eintreffen des Teams an
der Unfallstelle erfuhren, dass der Eifelblitz ein Totalschaden ist,
wurde jedem die Tragweite bewusst.
Unser Motor ist äußerlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir
hoffen aber, dass viele der wertvollen „Innereien“ weiter verwendbar
sein werden.
Leider wird dieses gesamte Wochenende durch diesen unnötigen Unfall in
ein völlig „falsches Licht“ gerückt, aber wir waren bis dahin genau im
Plan unterwegs. Besser waren wir noch nie für ein 24h-Rennen
vorbereitet, abgestimmt und als Team im Einsatz. Der unplanmäßige
Boxenstopp kurz vor dem Unfall war „nur“ ein defekter Sensor. Den
Zeitverlust hätten wir in wenigen Stunden aufgeholt. Erneut ist uns eine
Überrundung zum Verhängnis geworden, wie im Jahr 2004.
Jetzt gilt es leider die Saison unter ganz anderen Bedingungen
fortzusetzen. Ein Fahrzeugaufbau braucht Zeit, so dass wir mindestens
beim nächsten Rennen in drei Wochen nicht teilnehmen werden. Wie es
strategisch weiter geht, werden die Gespräche in den nächsten Tagen
zeigen. Einen genauen Plan gibt es noch nicht, aber wir kennen Johannes
Scheid, der alles versuchen wird, so schnell wie möglich einen neuen
„Eifelblitz“ aufzubauen.
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