Rennbericht 9. VLN-Lauf 2008

 

 

Trendwechsel eingeleitet


Obwohl schönes Wetter gemeldet war, musste am Samstag Morgen zunächst scheinbar endlos lange gewartet werden. Diesmal war hartnäckiger Nebel im Bereich von Start und Ziel die Ursache, so dass erst nach gut drei Stunden Verspätung ins Zeittraining gestartet werden konnte.

Aufgrund der noch leicht nassen und nicht bekannten Streckenverhältnisse fuhr Andreas Teichmann zunächst mit geschnittenen Slicks auf die Strecke. Kein schlechter Beschluss, denn zu dieser Zeit konnten wir uns im Gesamtklassement um Platz 5-7 behaupten.

Mittlerweile setzte sich das versprochene schöne Wetter aber durch und unter den ersten Sonnenstrahlen übernahm Oliver Kainz den Eifelblitz. Zunächst fuhr er ebenfalls auf Intermediates zu einer Besichtigungsrunde raus, dann kam er zum Reifenwechsel rein. Er wollte 3-4 Runden auf der Strecke bleiben um immer schlagkräftig zu sein, wenn die Bedingungen es zulassen. Wir gaben ihm Kraftstoff für vier Runden mit.

Oliver fuhr auf dem noch teilweise nassen Kurs bereits in seiner ersten Runde eine bis dahin sehr gute 8:42,8. In seiner zweiten Runde meldete er Verkehr, aber die Runde war nur wenige Zehntelsekunden langsamer. Wir hätten ihn jetzt reinholen sollen, um erneut Reifen zu wechseln, denn langsam war es wirklich trocken und frische Slicks hätten sicherlich geholfen.

Ohne den benötigten Reifenwechsel sind wir leider nicht in die Top Ten gefahren. Die erste Runde sollte Oliver’s schnellste Runde bleiben, denn jetzt bauten die Reifen ab. Wir waren mit Startplatz 14 nicht zufrieden, denn beide Fahrer sprachen von einem wesentlich besseren Fahrzeug nach dem Testtag im August.

Bei der Planung für das Rennen musste natürlich wegen der verkürzten Dauer von nur 3h 05 Minuten eine neue Strategie gefunden werden. Wir errechneten, dass mindestens 21, wahrscheinlich eher 22 Runden gefahren werden müssen. Damit war klar, dass wir zweimal stoppen und beim zweiten Stopp eine genau berechnete Kraftstoffmenge tanken müssen.

Es galt also festzulegen, wer welchen Stint fahren sollte. Der letzte Boxenstopp wird nach unserer Berechnung deutlich weniger als eine Minute dauern, also mussten wir entscheiden, ob dabei noch ein Fahrerwechsel ohne Zeitverlust möglich ist.

Wir diskutierten zwei Möglichkeiten.
Oliver fährt zu Beginn und am Schluss, dann wäre der zweite Stopp sehr kritisch, weil wir in vermutlich sehr kurzer Zeit einen Fahrerwechsel machen müssten. Die zweite Möglichkeit war: Andreas fährt den Start, Oliver übernimmt nach Boxenstopp eins und fährt den gesamten Rest.

Konsequent durchrechnen kann man ein 3h-Rennen nicht, dafür ist die Nordschleife mit über 200 Fahrzeugen zu unvorhersehbar. Obwohl Oliver die weitaus schnellere Trainingsrunde gefahren hatte, wurde beschlossen, dass Andreas zunächst anfängt, wir auf einen zweiten Fahrerwechsel verzichten und dann von hinten angreifen, wenn vielleicht im Mittelturn teilweise schwächere Fahrer in den Autos sitzen.

In der Nachbetrachtung stellte sich die Entscheidung als Fehler heraus. Andreas ließ im Kampf der ersten Rennrunden die eine oder andere Sekunde liegen, weil er von den teilweise schnelleren Fahrern im direkten Umfeld überholt wurde. Als dann Oliver zur geplanten Aufholjagd übernahm, war er gezwungen, wieder an vielen langsameren Konkurrenten vorbei zu gehen, was letztlich auch nicht reibungsfrei funktionierte.

Dennoch lagen wir bis zum zweiten Boxenstopp bereits auf Platz neun und nach vorne war mindestens noch eine Platzverbesserung möglich. Jetzt mussten wir natürlich genau berechnen, ob 21 oder 22 Runden gefahren werden. Eine Runde mehr bedeuten immerhin ca. 12 Sekunden längere Standzeit zum Tanken. Es gab längere Diskussionen, denn wir wussten zwar, dass die Spitze nochmals kurz vor Schluss zum Tanken herein kommen muss, aber selbst dann werden sie ca. 1 Minute vor Ablauf der 3h und 5 Minuten in ihre 22. Runde gehen. Wir beschlossen also auf Nummer sicher zu gehen und den Tank für insgesamt 22 Runden aufzufüllen.

Zum zweiten Stopp kam Oliver dann mit einem leicht lädierten rechten Vorderwagen. Er hatte einen kurzen „Feindkontakt“ im Schwalbenschwanz. Ein kurzer Check ergab, dass augenscheinlich keine größeren Schäden vorlagen und so wurde er mit 50l Kraftstoff in die letzten fünf Runden geschickt.

Er war gerade wieder unterwegs, da klagte er über starke Vibrationen im Fahrwerk. Oliver musste also nach dem GP-Kurs direkt wieder an die Box. Hier stellten wir eine gebrochene Felge an der Vorderachse fest, was beim kurzen Tankstopp nicht auffallen konnte. Offenbar war die leichte Kollision folgenreicher als zunächst vermutet.

Damit verloren wir nicht nur die Zeit beim zusätzlichen Boxenstopp, sondern auch die gefahrene Zeit auf der GP-Strecke. Mehr als drei Minuten waren also verloren.

Jetzt galt es nur noch ohne Probleme die letzten vier Runden zu Ende zu fahren. Nach Oliver’s nächster Durchfahrt waren wir auf Platz 14. Im Ziel stand dann ein versöhnlicher 13. Platz zu Buche.

Was bleibt als Fazit? Zunächst können wir davon ausgehen, dass die neue Fahrwerksabstimmung mit den neuen Yokohama Reifen eine Verbesserung bedeuten, wir müssen sie nur umsetzen. Das Auto konnte sehr gute Top-Speed Werte erreichen und die Fahrer waren mit unserem Motor mehr als zufrieden. Im Rennen konnten wir insgesamt die Rundenzeiten verbessern, aber unsere Strategie war sicherlich nicht die Beste. Wenn also beim nächsten Rennen wieder alles optimal laufen sollte, sind wieder gute Platzierungen möglich.


 

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