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Neue Karten
- oder nur neu gemischt?
In der neuen Saison steht der VLN die größte Umstrukturierung der
letzten Jahre bevor. Das technische Reglement wurde sowohl um neue
Fahrzeugklassen erweitert als auch in den bestehenden Kategorien stärker
eingeschränkt.
Die Einschränkungen betreffen die so genannten "Specials" mit einem
Hubraum größer 3 Liter. Für diese Klassen ist nun eine
Luftmengenbegrenzung über Ansaugluft-Restriktoren vorgeschrieben.
Abhängig von Hubraum und Fahrzeuggewicht darf der Ladungswechsel nur
noch über entsprechende Blenden im Ansaugsystem erfolgen. Als Folge
stellt sich eine signifikante Leistungsreduzierung von bis zu 70 PS bei
den bisherigen Spitzenfahrzeugen ein.
Die immer schneller werdenden Rundenzeiten in der Saison 2008 - die
besten Porsche mit Saugmotor kamen beständig auf Rundenzeiten unter 8:15
min - zwangen die Veranstalter zum Handeln. Diese Zeiten waren in der
Vergangenheit nur mit turbo-aufgeladenen Fahrzeugen erreichbar, die
aufgrund von Verbrauch und Standfestigkeit nicht für den Gesamtsieg in
Frage kamen. Die Geschwindigkeitsdifferenz zu den langsamsten Fahrzeugen
dieser Rennserie, die hauptsächlich von Amateuren bestritten wird, wurde
beständig größer. Verstärkt wurde dieser Effekt durch neue Fahrzeuge in
der großen Hubraumklasse bis 6.2 Liter.
Auf der anderen Seite wurden darüber hinaus neue Fahrzeugklassen für
auch in anderen Rennserien einsetzbare Rennwagen eingeführt. Das
international gültige technische Reglement der GT3 und GT4-Klassen wurde
nahezu unverändert für die VLN übernommen.
In der GT4-Klasse sind seriennahe Sportwagen vertreten. Außer den
üblichen Sicherheitsmaßnahmen sind nur geringe Modifikationen an
Fahrwerk und Bremse, Motor und Antriebstrang zugelassen. Vorteile
einzelner Fahrzeugtypen können vom Veranstalter über verschiedene
Stellschrauben (Gewicht, Bodenfreiheit, u.a.) wieder angeglichen werden.
Angestrebt wird ein spezifisches Leistungsgewicht von ca. 3.4 kg/PS.
Diese relativ kostengünstige Variante des Motorsports kommt allerdings
für Gesamtsiege am Nürburgring nicht in Frage.
Um so stärker "siegverdächtig" ist die Klasse GT3 zu bewerten. Hier
tummeln sich waschechte Rennfahrzeuge, die ebenfalls innerhalb ihrer
Klasse durch individuelle Einstufungen eingebremst werden können.
Highlights in dieser Klasse sind die neuen Audi R8 mit V10 Motoren, ein
6er BMW von Edel-Tuner Alpina und diverse Porsche 911 GT3 Cup-S.
Letzterer wurde durch Manthey-Racing schon im letzten Wertungslauf 2008
im Vergleich zu einem 911 GT3 RSR nach Special-Reglement eingesetzt.
Diesen Testeinsatz bestand "der Neue" mit Bravour: Gesamtplatz zwei mit
nur geringem Rückstand auf den Sieger, der in der freizügigen
Special-Klasse bis vier Liter antrat.
Wer aber ist nun ein Siegkandidat für die ersten Rennen? Die in der
Leistung beschnittenen Porsche und BMW bis vier Liter (Klasse SP 7)
dürften mit gesteigerter Standfestigkeit aufgrund sinkender Drehzahl und
Leistung auftrumpfen können - bei gleichzeitig deutlich gesunkenem
Rundenzeitenpotenzial. Den neuen Konkurrenzfahrzeugen in der GT3-Klasse
könnte zu Beginn der Saison noch die Nordschleifenerfahrung fehlen. Da
hier aber teilweise Einsatzteams mit großer Rennerfahrung auf der
anspruchsvollen Nürburgring-Norschleife antreten (z.B. Audi mit dem
DTM-Team Phoenix, dass auch den Opel-Sieg im 24h Rennen 2003 errang) ist
mit einer steilen Lernkurve zu rechnen.
Der bisherige Platzhirsch Manthey-Racing fährt zu Beginn der Saison
zweigleisig: neben einigen Kundenautos wird sowohl ein
restriktor-beschnittener Porsche 911 GT3 RSR als auch ein 911 GT3 Cup-S
nach GT3-Reglement eingesetzt. Auf beiden Autos sind als Fahrer u.a.
langjährige Porsche-Werkspiloten zu erwarten. Auch Land Motorsport -
nach Gesamtsiegen das erfolgreichste Team der letzten Jahre – geht mit
dem bewährten Porsche RSR wieder in der SP7 an den Start.
Als Geheimfavorit kann das Team Vater und Sohn Schall (häufig durch den
ehemaligen Opel-Sportchef Volker Stryzek verstärkt) gelten. Ihr
standfester Ex-DTM Opel Astra ist schon lange für einen Gesamtsieg
fällig.
Insgesamt steht den Motorsportfreunden in der VLN eine interessante
Saison 2009 bevor. Die Vorherrschaft der Weissacher Hecktriebler (nur 15
Nicht-Porsche Siege seit 2001) könnte in diesem Jahr ins Wackeln
geraten. Lassen wir uns überraschen.
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