24h im Spagat zwischen Wirtschaftskrise und
Reglementsänderung
Das 37. ADAC 24h-Rennen auf der Nürburgring Nordschleife
ist zum einen von der weltweiten Wirtschaftskrise und zum anderen von
den Reglementsänderungen im Jahr 2009 geprägt.
In diesem Spannungsfeld tritt der vom FEV V8-Motor angetriebene
Eifelblitz mit der Fahrerbesetzung Duncan Huismann (Niederlande), Rodney
Forbes (Australien), Jörg Viebahn (Engelskirchen) und Marko Hartung (Wallroda)
an. Dabei feiert Teamchef Johannes Scheid sein 40-jähriges
Motorsportjubiläum. Der Gesamtsieger der Jahre 1996 und 1997 wird
erstmals nicht mehr selbst am Steuer ‘seines’ Rennwagens sitzen. Beim
gleichzeitigen Jubiläum ‘10 Jahre FEV-Racing’ ist ein Top-10 Platz das
erklärte Ziel der langjährigen erfolgreichen Partner. Der Eifelblitz hat
auch in diesem Jahr wieder die traditionelle Startnummer 10.
Aber ist der Eifelblitz auch in der Lage das hervorragende Ergebnis des
Jahres 2008 zu wiederholen? Im vergangenen Jahr konnte mit Platz sechs
ja ein sehr gutes Gesamtergebnis herausgefahren werden. Wie von Johannes
Scheid gewohnt ist das Fahrzeug grundüberholt und perfekt vorbereitet.
Dazu kommt von uns ein neu aufgebauter Motor. Die Fahrerbesetzung – mit
Ausnahme von Marko Hartung – hat zuvor mindestens ein Rennen auf dem
Eifelblitz gefahren und kennt den Wagen und das Fahrverhalten bereits
sehr gut. Um nichts dem Zufall zu überlassen, steht auch wieder ein
frisch revidierter Ersatzmotor bereit. Ein fader Beigeschmack bleibt nur
aufgrund der reglementbedingten Leistungseinbuße von ca. 40 PS gegenüber
dem Vorjahr.
Daher steht jetzt aufgrund des geänderten Reglements eine neue
Fahrzeugklasse potentiell vor dem vom FEV V8 befeuerten BMW M3 GTS und
den vielen Porsche 911 GT3 RSR: die Klasse der GT3-Fahrzeuge stellt
erstmals die potentiellen Gesamtsieger.
Allen voran gilt als Siegfavorit der neue Audi R8 LMS. In zwei
erfahrenen Einsatzteams steht ein gutes Dutzend der besten
Langstreckenpiloten der Welt bereit zur Mission ‘Gesamtsieg 2009’. In
den ersten drei VLN-Läufen zeigte Audi trotz allen Taktierens eine gute
Performance. Als große Unbekannte ist nur die fehlende
‘Nordschleifen-Reife’ zu vermerken.
Dies wiederum ist der große Vorteil des Hauptgegners. Das
werksunterstützte Porsche-Team von Manthey-Racing tritt als
Titelverteidiger der vergangenen drei Jahre mit maximaler Erfahrung auf
der schwierigsten Rennstrecke der Welt an. Aufgrund der
Reglementänderungen fährt Manthey zweigleisig: die Speerspitze im
Aufgebot stellt erneut ‘Der Dicke’ dar: der nach SP7-Reglement
vorbereitete 911 GT3 RSR muss als der potentiell beste Nicht-Audi im
Starterfeld gelten. Unterstützung erhält der Gesamtfavorit durch einen
911 GT3 Cup-S in der GT3-Klasse. Auch dieses Fahrzeug muss mit seinen
Porsche-Werksfahrern als potentieller Gesamtsieger zählen.
Bevor weitere mögliche Anwärter auf ‘top five’ Plätze diskutiert werden,
muss erwähnt werden, dass zwei sehr Erfolg versprechende Fahrzeuge der
vergangenen Jahre nicht am Start stehen. Einerseits kann Land-Motorsport
den erfolgreichen Porsche 911 GT3 RSR nach dem Unfall bei der
‘Rekordfahrt’ von Toto Wolf nicht einsetzen – andererseits fehlt
Zakspeed mit der Dodge-Viper. Nachdem man nach dem ersten Saisonlauf in
der VLN als Runden-Schnellster nicht mit einer Neueinstufung des Boliden
einverstanden war zog Peter Zakowski die Viper ‘beleidigt’ zurück...
Aber wer sind die erweiterten Favoriten in diesem Jahr? Alpina setzt
zwei kompressor-aufgeladene B6 auf Basis des BMW 6er ein. Bei den
bisherigen VLN-Läufen konnte immerhin ein gewisses ‘Speed-Niveau’
gezeigt werden, aber noch keine Standfestigkeit. Weitere Porsche 911 GT3
Cup-S, die unter anderem vom Gesamtsieger des zweiten VLN-Laufes
Mamerow-Racing oder von Mühlner Motorsport (mit unserem langjährigen
Stammfahrer Oliver Kainz am Steuer) eingesetzt werden. Ein Ford GT wird
von Raeder Motorsport als Ersatz für den abgebrannten Lamborghini
Gallardo eingesetzt.
Wie immer gilt auch das fahrerisch bestens besetzte (Claudia Hürtgen,
Stian Sorlie, Augusto Farfus und Jörg Müller) BMW Z4 Coupe von unseren
Boxennachbarn Schubert Motorsport als Geheimfavorit. In der 4.0l-Klasse
sind natürlich auch die üblichen Porsche-Verdächtigten wieder zu finden:
die Alzen-Brüder erstmals mit getrennten Teams, Sabine Schmitz im
‘Frikadelli-Porsche’ oder weitere Porsche von Olaf Manthey. Auch nicht
unterschätzen sollten man die beiden werksseitig eingesetzten Lexus L-FA
mit 5.0l-Motor: ein Fahrzeug, dass noch nicht in Serie gebaut wird, im
letzten Jahr schon eingesetzt wurde und jetzt entsprechend gereift
wirkt. Sie sind mit ihrem schrillen V10-Sound auch in der Nacht bestens
zu erkennen.
Einzig die Androhung des Veranstalters bis zum Rennstart einzelne
Fahrzeuge über individuelle Gewichtseinstufungen oder Tankgrößen
‘einzubremsen’ sorgt für eine gewisse Unruhe unter den Teams. Als Folge
wird im Training keiner seine Karten offen legen. Manch jemand vermutet
sogar, die schnellsten Runden werden erst mit Beginn des Rennes
gefahren. Eine weitere Reglementänderung bestraft die Teams mit
effizienten Motoren: die Tankzeiten werden über eine
Durchflussbegrenzung egalisiert. Weiterhin werden die ganz kleinen Autos
(Hubraum 1600 cm³ und kleiner) erstmals nicht mehr zugelassen. Dies und
die Wirtschaftskrise sorgt dafür, dass zum Training ‘nur’ ca. 180 Autos
erwartet werden. Abgerechnet wird aber wie immer erst nach 24 Stunden.
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