Vorbericht 24h 2011

 

 

39. ADAC 24h-Rennen Nürburgring

Liebe Motorsportfreunde,

am Wochenende steht mit der 39. Auflage des 24h Rennens das Saison-Highlight der Langstreckensaison auf dem Terminplan.

Nach dem Aus für den ‘altgedienten’ Eifelblitz aus der SP7-Klasse von Johannes Scheid ist FEV Racing zum zweiten Mal in Folge beim Nordschleifenklassiker motorenseitig nicht vertreten. Johannes setzt in diesem Jahr erstmalig seinen neuen BMW M3 nach engem GT4-Reglement ein. Im GT4-Reglement ist vorgegeben, dass der Motor Serienstand entsprechen muss.

Uns als privaten Motorenbauern ist durch die aktuelle Reglementsituation mit der Einführung der GT3 + GT4-Klassen und mit der klaren Bevorzugung der GT3-Klasse mit unveränderlichen Motoren – bei gleichzeitiger Reglementierung der SP-Klassen über Restriktoren – der Handlungsspielraum genommen. Die GT-Motoren werden vom Hersteller homologiert und dürfen nicht verändert werden. Darüber hinaus werden über die aktuellen Anpassungen im Rahmen der ‘Balance of Performance’ (BoP) alle Entwicklungstrends der Automobilindustrie hin zu hubraumkleineren und effizienteren Motoren konterkariert. Der Nachteil eines höheren Verbrauchs einzelner hubraumstarker Konzepte (siehe Audi V10, oder Mercedes SLS) wird durch größere freigegebene Tankvolumina und sogar schnellere Tankzeiten durch angepaßte Tankdurchflussbegrenzungen aufgehoben. Es bleibt der Drehmomentvorteil, der insbesondere auf der Nordschleife ein wichtiger Parameter für den Erfolg ist.

Unbeteiligt lässt sich der Blick ins Starterfeld der über zweihundert Rennwagen wie folgt kommentieren: die Reihe der potentiellen Siegerfahrzeuge ist erneut angewachsen – zumindest lassen die bislang fünf verschiedenen Sieger in den fünf VLN-Saisonrennen diesen Jahres einen solchen Schluss zu. Die fahrzeugspezifischen Anpassungen über die ‘Balance of Performance’ scheinen also bei oberflächlicher Betrachtung der Ergebnisse "gewirkt" zu haben und den Motorsportfreunden sind interessante und abwechslungsreiche Rennen geboten worden.

Von vielen Seiten im Fahrerlager ist aber zu hören, dass die Spitzenteams noch taktieren. Nach den VLN-Siegen in den ersten 5 Läufen diesen Jahres von BMW, Ferrari, Mercedes, Audi und Porsche (mit dem Hybrid 911er), lassen die erzielten Zeiten der Topp-Teams noch den eindeutigen Schluss zu, dass die Karten nicht aufgedeckt wurden – aber wurden sie überhaupt neu gemischt? Langsamere Rundenzeiten im Vergleich zum Vorjahr passen bekanntlich nicht zu den üblichen Aussagen, dass das eigene Auto im Winter weiterentwickelt wurde…

Einzig die neuen Mercedes SLS, die ausschließlich von privater Hand eingesetzt werden, schienen immer im vollen Renntempo unterwegs gewesen zu sein. Sie konnten aber trotzdem bisher nur ein VLN-Rennen in diesem Jahr gewinnen. Außerdem haben die neuen SLS noch kein 24h-Rennen auf der Nordschleife bestritten, ihre Haltbarkeit muss also noch unter Beweis gestellt werden.

Die von Schnitzer eingesetzten Werks-BMW M3 haben die bisherigen Saisonstarts zum Aussortieren der bestmöglichen BoP-Einstufung genutzt und treten möglicherweise mit unterschiedlichem Gewicht und Tankvolumen zur Titelverteidigung an. D.h., ein Fahrzeug fährt mit 1250 kg und 110 l Tank und der andere M3 mit 10 l größerem Tank, aber mit 50 kg Gewichtszuladung. In welcher Konfiguration sie auch vorher in den VLN-Rennen antraten, Ihre schnellsten Rundenzeiten lagen immer um die 8:24 Minuten. Sie haben sich nicht in die Karten schauen lassen. Hier kann also mit geschickter Tankstrategie das Rennen entschieden werden.

Ähnlich flexibel kann die werksunterstützte Porsche-Truppe von Manthey-Racing agieren. Es besteht die Option in der GT3-Klasse an den Start zu gehen und/oder den im Vorjahr nicht eingesetzten 911 GT3 RSR wieder in der SP7 ins Rennen zu schicken. Manthey sucht sich quasi aus, welches Reglement für sie das bessere ist und man schätzt, erst nach dem Training wird entschieden, welches Fahrzeug die Topfahrer fahren. Interessant zu beobachten wird der 2010 lange führende GT3 R Hybrid Porsche sein, ebenfalls von Manthey eingesetzt, der allerdings letztes Jahr kurz vor Rennschluss mit ‘klassischem’ Motorschaden ausfiel. Neben den Werks-BMW's von Schnitzer und allen Manthey-Varianten sind die Werks-Audi R8 (mal wieder) weitere Siegkandidaten. Sie können das Mehrgewicht im Vergleich zu BMW und Porsche durch das höhere Drehmoment des 5.2l-V10 Motors teilweise kompensieren und durch Anpassung der Kraftstoffmenge müßten sie jetzt noch konkurrenzfähiger geworden sein.

Die bisherigen VLN-Rennen ließen aber keinen eindeutigen Vergleich der drei Konzepte von BMW (Frontmotor, Heckantrieb), Porsche (Heckmotor, Heckantrieb) und Audi (Mittelmotor, Heckantrieb) zu. Nicht bei allen Rennen traf man aufeinander, teilweise gab es frühe Ausfälle im Rennen und auch eine teilweise sehr ‘defensive’ Fahrweise mit langsameren Rundenzeiten konnten, im Vergleich zu den Herbstrennen der letzten Saison, beobachtet werden. Insbesondere bei den Porsche Teams, denn gerade bei den Zuffenhausener gab es manche Überraschung, wie z.B. reichlich Führungskilometer für den "privaten" Pinta-Porsche, der fahrerisch im Vergleich zur Manthey-Truppe sicherlich deutlich geringer zu bewerten ist. So war auch der Sieg des neuen Ferrari 458 des Farnbacher-Teams (das im letzten Jahr das Rennen zweimal um die Uhr auf Platz zwei beendete) im dritten VLN-Saisonlauf hauptsächlich auf den Abzug einer kompletten Runde bei zahlreichen Spitzenteams zurückzuführen.

Als weitere interessante neue Fahrzeuge, wenn auch ohne direkte Siegchance, können der Ferrari P4/5, die neuen Aston Martin Vantage V12 mit Zagato-Karosserie, die drei aufgeladenen Fünfzylinder VW-Golf24 mit Allradantrieb und der Audi TTRS mit fast gleichem Antriebsaggregat gesehen werden. Ein Highlight der besonderen Art ist der Einsatz des Lamborghini V10 der "Familie Stuck" (Hans-Joachim Stuck wird von seinen beiden Söhnen und Dennis Rostek unterstützt). Dieser Einsatz ist deshalb so bemerkenswert, weil nach über 40-Jahren Rennfahrerleben Hans-Joachim Stuck seinen letzten Renneinsatz bestreitet und erstmalig mit seinen beiden Söhnen zusammen ein 24h-Rennen fährt.
Für jede Menge Spannung ist also gesorgt, auch wenn die Prognosen selten so schwierig waren, wie dieses Jahr. Bevor die diesjährige Auflage am Samstag um 1600 Uhr gestartet wird, findet im Rahmenprogramm noch ein Sechs-Runden-Rennen für Porsche 911 GT 3 Cup-Fahrzeuge statt, zu dem ebenfalls ca. 200 Autos erwartet werden und das von Eurosport am Samstag Vormittag live übertragen wird. Das 24h-Rennen wird wieder wie gewohnt von sport1 live übertragen. In den entsprechenden Medien sind die vielen Sendezeiten nachzulesen.

Das FEV Racing Team wünscht ein schönes verlängertes Wochenende und wünsch viel Spass und Spannung am Ring.
 

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