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39. ADAC 24h-Rennen Nürburgring
Liebe
Motorsportfreunde,
am Wochenende steht mit der 39. Auflage des 24h Rennens das
Saison-Highlight der Langstreckensaison auf dem Terminplan.
Nach dem Aus für den ‘altgedienten’ Eifelblitz aus der SP7-Klasse von
Johannes Scheid ist FEV Racing zum zweiten Mal in Folge beim
Nordschleifenklassiker motorenseitig nicht vertreten. Johannes setzt in
diesem Jahr erstmalig seinen neuen BMW M3 nach engem GT4-Reglement ein.
Im GT4-Reglement ist vorgegeben, dass der Motor Serienstand entsprechen
muss.
Uns als privaten Motorenbauern ist durch die aktuelle Reglementsituation
mit der Einführung der GT3 + GT4-Klassen und mit der klaren Bevorzugung
der GT3-Klasse mit unveränderlichen Motoren – bei gleichzeitiger
Reglementierung der SP-Klassen über Restriktoren – der
Handlungsspielraum genommen. Die GT-Motoren werden vom Hersteller
homologiert und dürfen nicht verändert werden. Darüber hinaus werden
über die aktuellen Anpassungen im Rahmen der ‘Balance of Performance’ (BoP)
alle Entwicklungstrends der Automobilindustrie hin zu hubraumkleineren
und effizienteren Motoren konterkariert. Der Nachteil eines höheren
Verbrauchs einzelner hubraumstarker Konzepte (siehe Audi V10, oder
Mercedes SLS) wird durch größere freigegebene Tankvolumina und sogar
schnellere Tankzeiten durch angepaßte Tankdurchflussbegrenzungen
aufgehoben. Es bleibt der Drehmomentvorteil, der insbesondere auf der
Nordschleife ein wichtiger Parameter für den Erfolg ist.
Unbeteiligt lässt sich der Blick ins Starterfeld der über zweihundert
Rennwagen wie folgt kommentieren: die Reihe der potentiellen
Siegerfahrzeuge ist erneut angewachsen – zumindest lassen die bislang
fünf verschiedenen Sieger in den fünf VLN-Saisonrennen diesen Jahres
einen solchen Schluss zu. Die fahrzeugspezifischen Anpassungen über die
‘Balance of Performance’ scheinen also bei oberflächlicher Betrachtung
der Ergebnisse "gewirkt" zu haben und den Motorsportfreunden sind
interessante und abwechslungsreiche Rennen geboten worden.
Von vielen Seiten im Fahrerlager ist aber zu hören, dass die
Spitzenteams noch taktieren. Nach den VLN-Siegen in den ersten 5 Läufen
diesen Jahres von BMW, Ferrari, Mercedes, Audi und Porsche (mit dem
Hybrid 911er), lassen die erzielten Zeiten der Topp-Teams noch den
eindeutigen Schluss zu, dass die Karten nicht aufgedeckt wurden – aber
wurden sie überhaupt neu gemischt? Langsamere Rundenzeiten im Vergleich
zum Vorjahr passen bekanntlich nicht zu den üblichen Aussagen, dass das
eigene Auto im Winter weiterentwickelt wurde…
Einzig die neuen Mercedes SLS, die ausschließlich von privater Hand
eingesetzt werden, schienen immer im vollen Renntempo unterwegs gewesen
zu sein. Sie konnten aber trotzdem bisher nur ein VLN-Rennen in diesem
Jahr gewinnen. Außerdem haben die neuen SLS noch kein 24h-Rennen auf der
Nordschleife bestritten, ihre Haltbarkeit muss also noch unter Beweis
gestellt werden.
Die von Schnitzer eingesetzten Werks-BMW M3 haben die bisherigen
Saisonstarts zum Aussortieren der bestmöglichen BoP-Einstufung genutzt
und treten möglicherweise mit unterschiedlichem Gewicht und Tankvolumen
zur Titelverteidigung an. D.h., ein Fahrzeug fährt mit 1250 kg und 110 l
Tank und der andere M3 mit 10 l größerem Tank, aber mit 50 kg
Gewichtszuladung. In welcher Konfiguration sie auch vorher in den
VLN-Rennen antraten, Ihre schnellsten Rundenzeiten lagen immer um die
8:24 Minuten. Sie haben sich nicht in die Karten schauen lassen. Hier
kann also mit geschickter Tankstrategie das Rennen entschieden werden.
Ähnlich flexibel kann die werksunterstützte Porsche-Truppe von
Manthey-Racing agieren. Es besteht die Option in der GT3-Klasse an den
Start zu gehen und/oder den im Vorjahr nicht eingesetzten 911 GT3 RSR
wieder in der SP7 ins Rennen zu schicken. Manthey sucht sich quasi aus,
welches Reglement für sie das bessere ist und man schätzt, erst nach dem
Training wird entschieden, welches Fahrzeug die Topfahrer fahren.
Interessant zu beobachten wird der 2010 lange führende GT3 R Hybrid
Porsche sein, ebenfalls von Manthey eingesetzt, der allerdings letztes
Jahr kurz vor Rennschluss mit ‘klassischem’ Motorschaden ausfiel. Neben
den Werks-BMW's von Schnitzer und allen Manthey-Varianten sind die
Werks-Audi R8 (mal wieder) weitere Siegkandidaten. Sie können das
Mehrgewicht im Vergleich zu BMW und Porsche durch das höhere Drehmoment
des 5.2l-V10 Motors teilweise kompensieren und durch Anpassung der
Kraftstoffmenge müßten sie jetzt noch konkurrenzfähiger geworden sein.
Die bisherigen VLN-Rennen ließen aber keinen eindeutigen Vergleich der
drei Konzepte von BMW (Frontmotor, Heckantrieb), Porsche (Heckmotor,
Heckantrieb) und Audi (Mittelmotor, Heckantrieb) zu. Nicht bei allen
Rennen traf man aufeinander, teilweise gab es frühe Ausfälle im Rennen
und auch eine teilweise sehr ‘defensive’ Fahrweise mit langsameren
Rundenzeiten konnten, im Vergleich zu den Herbstrennen der letzten
Saison, beobachtet werden. Insbesondere bei den Porsche Teams, denn
gerade bei den Zuffenhausener gab es manche Überraschung, wie z.B.
reichlich Führungskilometer für den "privaten" Pinta-Porsche, der
fahrerisch im Vergleich zur Manthey-Truppe sicherlich deutlich geringer
zu bewerten ist. So war auch der Sieg des neuen Ferrari 458 des
Farnbacher-Teams (das im letzten Jahr das Rennen zweimal um die Uhr auf
Platz zwei beendete) im dritten VLN-Saisonlauf hauptsächlich auf den
Abzug einer kompletten Runde bei zahlreichen Spitzenteams
zurückzuführen.
Als weitere interessante neue Fahrzeuge, wenn auch ohne direkte
Siegchance, können der Ferrari P4/5, die neuen Aston Martin Vantage V12
mit Zagato-Karosserie, die drei aufgeladenen Fünfzylinder VW-Golf24 mit
Allradantrieb und der Audi TTRS mit fast gleichem Antriebsaggregat
gesehen werden. Ein Highlight der besonderen Art ist der Einsatz des
Lamborghini V10 der "Familie Stuck" (Hans-Joachim Stuck wird von seinen
beiden Söhnen und Dennis Rostek unterstützt). Dieser Einsatz ist deshalb
so bemerkenswert, weil nach über 40-Jahren Rennfahrerleben Hans-Joachim
Stuck seinen letzten Renneinsatz bestreitet und erstmalig mit seinen
beiden Söhnen zusammen ein 24h-Rennen fährt.
Für jede Menge Spannung ist also gesorgt, auch wenn die Prognosen selten
so schwierig waren, wie dieses Jahr. Bevor die diesjährige Auflage am
Samstag um 1600 Uhr gestartet wird, findet im Rahmenprogramm noch ein
Sechs-Runden-Rennen für Porsche 911 GT 3 Cup-Fahrzeuge statt, zu dem
ebenfalls ca. 200 Autos erwartet werden und das von Eurosport am Samstag
Vormittag live übertragen wird. Das 24h-Rennen wird wieder wie gewohnt
von sport1 live übertragen. In den entsprechenden Medien sind die vielen
Sendezeiten nachzulesen.
Das FEV Racing Team wünscht ein schönes verlängertes Wochenende und
wünsch viel Spass und Spannung am Ring.
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